Sonntag, 12. August 2012

Interessanter Austausch mit Vattenfall

Die Kommentare enthalten den Mailverkehr zwischen Herrn Kleimeier (Pressesprecher Vattenfall) und Frau Gillert (Anwohnerin) zur Informationspolitik von Vattenfall und zum geplanten Vorhaben.

Bitte unten auf Kommentare klicken.

Kommentare:

  1. Betreff: Geplantes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD)

    Sehr geehrter Herr Kleimeier,
    bei meinen folgenden Ausführungen beziehe ich mich auf den Bericht im Wedel-Schulauer Tageblatt vom 24. 7. 2012.
    Darin wird erwähnt, daß dieses Projekt auf viel Zuspruch trifft.Haben sich bereits Bewohner aus dem benachbartem Wohngebiet bei Ihnen in der Weise gemeldet? Worauf stützt sich deren positive Einstellung? Wie sind diese Bewohner an die entsprechenden Informationen gekommen?

    Oder erhalten Sie Unterstützung von Firmen, die vielleicht an dem Bau beteiligt werden?
    Die Stadt Wedel erhofft sich natürlich Steuereinnahmen, verständlich. Sind diese Steuereinnahmen wirklich sicher? Oder formuliere ich Ängste aufgrund von Unkenntnis.

    „NUR (meine Großschrift) zwei Wochen nach der Entscheidung für den Standort Wedel gibt es vor Ort die Info-Veranstaltung - “. Sie finden es also „sportlich“, wenn eine solche Veranstaltung stattfindet, NACHDEM die Entscheidung gefallen ist. Was bedeutet für Sie „sportlich“? „lässig, intelligent, korrekt, schnell, außergewöhnlich“.

    Warum erhielten wir Bewohner dieses Viertels keinen Brief von Ihnen, so daß alle wirklich Betroffenen informiert sind, nicht alle beziehen das Tageblatt. Zudem war Ihre Firma jedes Jahr so aufmerksam, uns über etwaige Lärm- und andere Belästigungen durch die Reparaturarbeiten zu informieren und um Verständnis zu bitten.
    Bei dem anstehenden Großprojekt hielten Sie es nicht für erforderlich, uns rechtzeitig zu informieren und eventuelle Einwände rechtzeitig in Ihre Planungen einzubeziehen oder uns jetzt eine Einladung zu der Informationsveranstaltung zu schicken.

    Sie kennen doch die Reaktionen der Bürger auf die unterschiedlichen Großprojekte in der Bundesrepublik: der Bürger will und hat einen Anspruch darauf, einbezogen zu werden.
    Bei der Veranstaltung am Donnerstag erwarte ich umfassende Information und diese in der Weise, daß Sie auch für Bürger und Bürgerinnen, die technisch Laien sind, verständlich und nachvollziehbar ist, auch sollte ganz deutlich werden, was verbindlich und was noch unsicher ist, d.h. wo Sie keine verbindlichen Zusagen machen können.

    Hochachtungsvoll
    (Ortrud Gillert, wohnhaft Hellgrund 133 seit 1955)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sehr geehrte Frau Gillert,
      haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 24. Juli 2012, den ich mittlerweile auch auf dem Postweg erhalten habe. Gern nehme ich zu Ihren Ausführungen Stellung. Dazu möchte ich etwas weiter ausholen: Vattenfall hat sich im November vergangenen Jahres gegenüber der Stadt Hamburg verpflichtet, gemeinsam mit der Stadt einen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu leisten. Neben Stromtransportleitungen fehlt es derzeit insbesondere an Speichern für regenerativ erzeugten Strom (Wind weht nicht konstant und auch Sonne steht nicht permanent zur Verfügung) und an schnell regelbaren Kraftwerken, die bei Wolkenfeldern oder plötzlichen Flauten die Einspeisung der Erneuerbaren ersetzen können.

      Wir haben uns daher beim Ersatz des Heizkraftwerks Wedel aus den 60er Jahren für den Bau eines Innovationskraftwerks ausgesprochen, dass aus einem modernen schnell regelbaren Gas- und Dampfturbinenkraftwerk sowie einem angeschlossenen Speicher besteht, der z.B. überschüssige Windenergie in Wärme umwandeln kann.

      Als Standorte kamen grundsätzlich Stellingen in Hamburg sowie Wedel in Schleswig-Holstein infrage. In einem internen Prüfverfahren wurden neben technischer und genehmigungsrechtlicher Realisierbarkeit auch die Dauer der Umsetzung und die Kosten geprüft. Wir haben uns zudem dazu verpflichtet, dass wir gemeinsam mit der Stadt Hamburg die Entscheidung, wo wir weiter planen wollen, in der Jahresmitte 2012 bekannt geben. Im Verlauf der Prüfung hat sich herausgestellt, dass der Standort Stellingen bis zur Heizperiode 2016/2017, also dem Zeitpunkt an dem das alte Heizkraftwerk vom Netz geht, aufgrund der fehlenden Infrastruktur (keine Anbindung an das Fernwärmenetz sowie das Hochspannungsnetz) nicht realisierbar ist.

      Außerdem hätten die erforderlichen Erschließungsaufwendungen Mehrkosten von rund 100 Millionen Euro bedeutet.

      Somit haben wir uns am 13. Juli dieses Jahres mit der FHH dafür entschieden, die weiteren Planungen nur am Standort in Wedel fortzuführen. Diese Entscheidung wurde von Politikern auf Landesebene aus verschiedenen Parteien begrüßt. Darauf zielte der im Zeitungsartikel zitierte Zuspruch ab.
      Mir ist sehr wohl bewusst, dass bei Ihnen als Anwohner vermutlich nicht die Energiewende im Vordergrund steht, sondern Sie eher Fragen zu Sicherheit und Lärm bewegen.

      Zu diesen Fragen werden wir in den kommenden Wochen und Monaten den Austausch mit Ihnen suchen. Eine erste Veranstaltung hat in der vergangenen Woche bereits stattgefunden. Den Vorwurf, Vattenfall hätte erst informiert, nachdem entschieden worden ist, kann ich allerdings nicht akzeptieren. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem wir intern Klarheit haben, wo wir bauen möchten und welche Größe das neue Kraftwerk haben sollte. Eine zwingende Voraussetzung um Sie angemessen informieren zu können und auch Gerüchten über ein Mega-Kraftwerk mit konkreten Sachinformationen entgegen treten zu können.

      Das Genehmigungsverfahren steht erst am Anfang und damit auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger von Wedel, sowie die Möglichkeit, Eingaben zu machen. Am 20. August startet die Auslegung der Planungsunterlagen. Die Behauptung, Vattenfall wollte erst nach Ablauf der Einwendungsfrist informieren, ist schlicht unwahr und entspricht auch nicht unserer Vorstellung von Anwohnerinformation. Dies können wir auch anhand ähnlicher Kraftwerksprojekte z.B. in Berlin durchaus glaubhaft machen.

      Zur ersten Anwohnerinformation wurden in einem vorher festgelegten Radius 400 Haushalte westlich des Kraftwerks eingeladen. Dazu gehörten auch alle Anwohner des Hellgrunds. Zusätzlich wurde über das Wedel-Schulauer-Tageblatt informiert. Uns ist es unverständlich, warum Sie als direkte Nachbarin keine Einladung bekommen haben. Wir werden diesem Hinweis aber nachgehen und das Gespräch mit der Agentur suchen, die die Einladungen verteilt hat. Für dieses Malheur bitten wir um Entschuldigung.

      ....

      Löschen
    2. (Fortsetzung)
      ...

      Unabhängig von den weiteren Informationsveranstaltungen kann ich Ihnen zusichern, dass das geplante Kraftwerk auch aufgrund des technischen Fortschritts deutlich leiser und auch sauberer sein wird als das bestehende Kohlekraftwerk. Dies stellt eine signifikante Verbesserung zum Ist-Zustand dar. Uns ist aber auch bewusst, dass es sich wieder um ein Kraftwerk handelt und nicht um die möglicherweise erhoffte grüne Wiese.

      Dennoch bitte ich an dieser Stelle auch darum, unsere Position als Wärmeversorger von 20 Prozent der Hamburger Haushalte zu verstehen. Es gibt für uns nur zwei realistische Alternativen, die Versorgung von 180.000 Wohneinheiten mit Fernwärme auch nach 2016 sicherzustellen. Entweder wir müssen erneut in das alte Heizkraftwerk Wedel investieren, um die dann gültigen Emissionswerte einzuhalten oder aber wir bauen bis 2016 das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Wir sind davon überzeugt, dass das neue Kraftwerk die bessere Alternative für Sie, für uns und für die Energiewende darstellt.

      Mit freundlichen Grüßen
      Stefan Kleimeier
      Pressesprecher Hamburg
      Media Relations Germany

      Vattenfall Europe AG
      Überseering 12
      22297 Hamburg

      Löschen
    3. Sehr geehrter Herr Kleimeier,
      vielen Dank für Ihre umfangreiche Antwort, ich werde nicht auf die technischen Implikationen dieses Projektes eingehen, die im Laufe der nächsten Wochen ausführlich mit Vattenfall, den Bürgern und der Stadt Wedel zu erörtern sein werden.

      Allerdings hat mich im vierten Absatz Ihres Schreibens die Formulierung "Gerüchte über ein Mega-Kraftwerk" irritiert. Wird kein Mega-Kraftwerk geplant? Ab welcher Leistung bzw. Größe ist ein Kraftwerk ein Mega-Kraftwerk? Das Wort "Gerücht" empfinde ich in diesem Zusammenhang auch als pejorativ und "Mißverständnis" - wenn es denn eins ist - als angemessener.

      Ich hoffe, daß ab 20. August auch der offizielle Lärmschutzbericht ausliegt, und wir Wedeler Bürger nicht nur mit mündlicher Zusicherung abgespeist werden. Wie heißt doch das schöne Sprichwort: Der Kluge verspricht, und der Dumme freut sich. Eine alte Weisheit und immer wieder wahr.

      Für mich ist die Energiewende ein ganz wichtiges Ziel der politischen Führung, und ich bin nicht erst seit Fukushima eine Gegnerin von Atomkraftwerken - und ich weiß auch, daß das Einschränkungen oder negative Erfahrungen für uns Bürger zur Folge haben wird und daß auch ich noch viel konsequenter mit den Ressourcen umgehen muß. Aber ich (wir Wedeler Bürger) habe ein Anspruch darauf, von der Richtigkeit und Notwendigkeit dieses Projekts überzeugt zu sein, d.h. von der wirklichen Alternativlosigkeit. Wie oft wird eine Lösung von den Politikern als "alternativlos" gespriesen - und irgendwann wird doch eine andere Lösung vorgeschlagen. Es ist erwiesen, daß Lärm krank macht, also ist Lärm bzw. Lärmschutz ein essentielles Kriterium. Weitere Problemfelder sind angesprochen und müssen einwandfrei geklärt werden. Überzeugen Sie uns von der "besseren Alternative" zu dem Bestehenden.

      Mit freundlichem Gruß,
      Ortrud Gillert

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.