Donnerstag, 21. Februar 2019

Gutachten-Ergänzung

Am 08.01.2019 haben wir das von uns in Auftrag gegebene Gutachten Partikelemissionen November 2018 / Partikeluntersuchung veröffentlicht. Im Nachgang hat unser Rechtsanwalt, Dr. Fricke aus Hannover, dieses Gutachten verbunden mit juristischen Forderungen an das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) überreicht.

Das übergeordnete Kieler Umweltministerium hat uns und die Fa. Vattenfall zwischenzeitlich über die Presse zu Stellungnahmen zu diesem Gutachten aufgefordert.

Eine offizielle Antwort seitens des LLURs an unsere Anwaltskanzlei steht noch aus. Die Bürgerinitiative hingegen hat am 07.02.2019 eine Stellungnahme des zuständigen Mitarbeiters der Landesbehörde erhalten.

In dieser Stellungnahme bestreitet die Landesbehörde ohne nähere Begründung, dass die Rauchgasbehandlungsanlagen des Kohlekraftwerks defekt seien.

Zudem sieht das Landesamt keine neue Erkenntnis darin, dass die Partikel mit einem pH-Wert < 2 nach 2016 und 2017 weiterhin sehr sauer seien. Durch Maßnahmen von Vattenfall sollten die sauren Bestandteile im Rauchgaswärmetauscher des Kohlekraftwerks nach Angaben des Betreibers allerdings deutlich reduziert sein. Die wiederkehrend niedrigen pH-Werte der Partikelemissionen seit Juli 2016 sind die plausible Erklärung dafür, dass trotz aller „Minderungsmaßnahmen“ von Vattenfall weiterhin Ätzschäden an Pkws im Kraftwerksumfeld entstehen.

Zum Dritten hat der zuständige Mitarbeiter des LLURs seiner Stellungnahme „Beweisfotos“ angefügt, die angeblich belegen sollen, dass die Kraftwerkspartikel nicht an Pkws etc. haften. Diese Fotos zeigen nicht näher definierte, klitschnasse Motorhauben. Auf nassen Pkws können weder Partikelverdreckungen noch Schäden festgestellt oder dokumentiert werden. Dies sollte auch dem Sachbearbeiter einer Landesbehörde bekannt sein. Kaum waren die Pkws abgetrocknet, waren die Partikelverdreckungen wieder deutlich zu erkennen.

Das LLUR rückt sich mit derartigen „Stellungnahmen“ selbst in ein schlechtes Licht und lässt wieder die Frage nach der Motivation der Mitarbeiter aufkommen. Die Fa. Korro-Prävent hat am 17.02.2019 im Auftrag der Bürgerinitiative eine Gutachten-Ergänzung auf Basis der Stellungnahme des LLURs vom 07.02.2019 erstellt. Diese wurde dem Landesamt und dem Kieler Umweltministerium übersandt.

Ganz herzlichen Dank an alle SpenderInnen, die die Beauftragung von Gutachten und die Vertretung durch unsere Rechtsanwaltskanzlei möglich machen!

Kerstin Lueckow
für die BI

Mittwoch, 16. Januar 2019

Gutachten Partikelemissionen

November 2018/Partikeluntersuchung

Nach massiven Partikelniederschlägen im Nahbereich des von Vattenfall betriebenen Kohlekraftwerks in Wedel im Oktober und November 2018 haben Nachbarn wiederholt Schäden an ihren Pkws festgestellt. Hierbei handelt es sich um Industrie-Emissionsschäden. Seit Juli 2016 werden am Wedeler Elbhochufer bei südöstlichen Winden Partikelniederschläge aus dem HKW Wedel verzeichnet. Seither kommt es immer wieder zu Schäden an Pkws, Wintergärten, Panoramadächern etc. Zu Beginn der Ausstöße hat die Fa. Vattenfall diese Schäden mit Entschuldigungen beglichen. Vor mehr als einem Jahr wurden die Regresszahlungen an die Betroffenen eingestellt.

Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), ist dem „Grünen“ Kieler Umweltministerium unterstellt. Trotz diverser Anordnungen seitens des LLUR und Maßnahmen von Vattenfall hat sich die Situation vor Ort nicht gebessert. Im Gegenteil: Die Ausstöße im Oktober und November 2018 waren sehr massiv. Auch die Schadenbilder haben sich seit 2016 nicht verändert. Trotzdem sieht das LLUR keinerlei Handlungsbedarf und bestreitet mittlerweile die Schädlichkeit der Partikel. Der einzige Versuch zur Überprüfung der Materialschädlichkeit an Pkws (TÜV-Feldversuch vom 24.10.2017) hat allerdings entgegen der Aussagen des LLURs einen typischen „Kraftwerks-Blauschaden“ in dunklem Lack ergeben.

Um endlich Klarheit über die Schädlichkeit der Partikel zu erhalten, haben Mitglieder der Bürgerinitiative Mitte November 2018 Partikelproben von Pkws im Hellgrund in Wedel entnommen und am 06.12.2018 den Sachverständigen Michael Reichert (Fa. Korro-Prävent) auf eigene Kosten mit einem Gutachten zu den Partikelemissionen beauftragt. Die chemische Untersuchung der Partikelproben wurde vom renommierten IFO-Institut in Schwäbisch Gmünd durchgeführt.

Ergebnis:
  1. Die Partikel stammen aus dem Kohlekraftwerk: Es handelt sich weitgehend um Flugasche, wie sie beim Verbrennen von Steinkohle entsteht.
  2. Es wurde außerdem ein erhöhter Schwefelgehalt nachgewiesen.
  3. In den Partikeln bilden sich sog. Kristallite. Diese Kristallite bestehen aus Aluminiumsulfat.
  4. Aluminiumsulfat reagiert mit Feuchtigkeit sauer (pH-Wert < 2, gemessen bei dieser Untersuchung).
  5. Der so entstehende niedrige pH-Wert ist als Ursache der Verätzungen an den Pkws zu sehen. Zudem ist Aluminiumsulfat in Verbindung mit Wasser korrosiv.
  6. Es ist davon auszugehen, dass die Rauchgasentschwefelung und die Filteranlagen des Kohlekraftwerks Wedel nicht die vorgesehenen Funktionen erfüllen und somit Flugasche und hohe Schwefelanteile emittiert werden.

Wir fordern, dass das LLUR die Partikelausstöße aus dem maroden Kohlekraftwerk Wedel endlich unterbindet!