Sonntag, 19. August 2012

Antwort auf die Entgegnung zum Offenenen Brief im Blickpunkt

Leserbrief von Frau Kerstin Lueckow. Leserbriefe geben nicht automatisch die Meinung aller BI Mitglieder wieder.

Antwort auf die
"Entgegnung zu dem Offenenen Brief von Frau Gudrun Hinz-Warnke an Wedels Bürgermeister Niels Schmidt im Blickpunkt von Herrn Freyr Schuster"

erschienen im Blickpunkt Nr. 901 – 18.08.2012 – 54. Jg.

Sehr geehrter Herr Schuster,
ich finde es äußerst spannend, welche Meinungen wöchentlich im „Blickpunkt“ zu lesen sind. Es ist interessant, wer dort wie Stellung bezieht und aus welcher Motivation heraus. Auch Sie, Herr Schuster, haben sich in der letzten Ausgabe (Nr. 901 vom 18.08.12) zu Wort gemeldet (S. 22). Was hat Sie dazu bewogen? Zumindest – so entnehme ich es Ihrem Kommentar – die Tatsache, dass Sie den Bürgermeister dieser Stadt sehr schätzen.

Was nun Herrn Schmidt anbetrifft, so kannte ich ihn persönlich bis letzte Woche nicht. Eine Anwohnerversammlung der Stadt hat es leider bis heute nicht gegeben. Einen konkreten Termin dafür gibt es ebenfalls noch nicht. Und das, obwohl hier – und zwar in der Nähe von zwei Wohngebieten – eines der größten Gaskraftwerke in Deutschland geplant ist, das wohl so seinesgleichen sucht. Auch Sie, Herr Schuster, werden davon betroffen sein.

Ich weiß nicht, welchen Beruf Sie ausüben oder welche Fähigkeiten Sie zu Ihren Aussagen qualifizieren.

  • Sind Sie Lärmgutachter und hat Ihnen die Stadt den Vorrang zur Überprüfung des Lärmgutachtens erteilt?
  • Sind Sie Kraftwerksingenieur und können daher die genauen Auswirkungen der von Vattenfall angegeben Luftkühlung abschätzen? (Eine Luftkühlung übrigens, die im Sommer von Nöten sein wird, da die hohe Stromerzeugung das Produkt Wärme zwar produziert, aber dann nicht wird nutzen können.)
  • Sind Sie Klimaforscher und können von daher beurteilen, welche Auswirkungen ein derartiger Wärmepunkt auf das Klima Hamburgs haben wird? (Wo doch bisher stets die Frischluftzufuhr mit dem Westwind erfolgt.)
  • Arbeiten Sie in leitender Position bei der Genehmigungsbehörde und können zu diesem frühen Zeitpunkt (also noch vor Auslegung der Unterlagen) den Verlauf des Verfahrens bestimmen?
  • Sind Sie Anwalt und können den Ausgang sowohl des Genehmigungsverfahrens sowie der eventuellen späteren Klagen als auch des noch notwendigen Planfeststellungsverfahrens zur Verlegung der Gaspipeline voraussehen?
  • Sind Sie Wirtschaftsexperte und können die Zukunft Deutschlands als Wirtschaftsstandort beurteilen?
  • Sind Sie Chemiker und können die Mengen der weiteren Schadstoffe(u. a. Schwefeldioxid) berechnen, die ein Gaskraftwerk produziert?

Ich vereine diese Berufe alle nicht. Daher werden hier unabhängige Experten benötigt, die dies beurteilen und auch erklären können.

Was nun die Ziele Vattenfalls anbetrifft, so machen sie keinen Hehl daraus, dass ein Konzern Gewinnmaximierung betreibt. Warum auch nicht? Sollten wir von diesem schwedischen Energieriesen, der gegen die Energiewende in Deutschland klagt, Selbstdisziplin erwarten?

Ich habe auch noch von niemandem eine Antwort darauf erhalten, wofür Schleswig-Holstein überhaupt eine derart hohe ganzjährige fossile Stromproduktion trotz Moorburg benötigt (im Übrigen, Herr Schuster, trifft Ihre Angabe zur CO2-Reduktion nur auf die relative Ausstoßmenge zu, nicht aber auf die absolute Menge, die bei den geplanten Betriebsstunden sogar zunehmen wird).

Um auf meine Eingangsfrage zurück zu kommen, was Sie persönlich wohl dazu bewogen haben mag, diesen Kommentar einzusenden. Wir von der BI haben den Bürgermeister eingeladen. Und das Gleiche gilt natürlich auch für Sie. Kommen Sie zu einer BI Sitzung und diskutieren Sie mit uns.

Mit freundlichem Gruß
Kerstin Lueckow

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