Montag, 2. Februar 2015

Wedel deutlich teurer als Stellingen

Der Hamburger Energietisch hat eine neue gutachterliche Stellungnahme zum Standortvergleich Wedel/Stellingen veröffentlicht.

Ursprünglich wurden für den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) im Jahre 2012 parallel zwei Genehmigungsverfahren begonnen. Neben dem höchstproblematischen Standort in Wedel wurde der Standort der Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor geprüft.

Nach monatelangen Überlegungen hat sich die Fa. Vattenfall aus wirtschaftlichen Gründen für den Standort Wedel entschieden.

Die Autoren Prof. Dr. Rabenstein und Matthias Ederhof kommen jetzt unter Berücksichtigung der Entwicklungen der letzten Jahre zu einem anderen Ergebnis:
Der Bau eines GuDs in Stellingen ergibt einen finanziellen Vorteil gegenüber Wedel von rund 140 Millionen Euro.
Dies und weitere sehr interessante Informationen zu beiden Standorten finden sich hier:
Wirtschaftlicher Standortvergleich Stellingen Wedel

Kerstin Lueckow
BI

Freitag, 30. Januar 2015

Vattenfall in Wedel - ein Sanierungsfall?

Nachdem der "Zustand" des alten Kohlemeilers seit Jahren für reichlich (Lärm‑)Ärger sorgt, offenbart sich jetzt ein weiteres Problem.

Vattenfall hat im Jahr 2013 bei der zuständigen Behörde in Flintbek (LLUR) einen umfangreichen Änderungsantrag zum geplanten Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) eingereicht. Entgegen unserer Proteste wurden diese Unterlagen nicht öffentlich ausgelegt!

In den Unterlagen befindet sich ein Dokument mit dem Titel "Zustandsbericht Boden/Grundwasser". Darin werden Belastungen des Grundwassers durch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) nachgewiesen, von denen einige als krebserregend gelten.

Dazu ist folgender Hamburger-Abendblatt-Artikel erschienen:
Gift im Boden: Aus für das Kraftwerk in Wedel?
Auszüge aus dem Artikel:
Erst Vattenfalls Neubaupläne für ein Gaskraftwerk als Ersatz für das alte Steinkohlekraftwerk und die damit verbundenen Untersuchungen förderten zutage, dass das Kraftwerksareal auch mit Schadstoffen belastet ist.
[...]
Die Konsequenz: Bevor in Wedel gebaut werden darf, müssen der Boden und das Grundwasser umfangreich untersucht werden und muss eine mögliche Sanierung mit der Aufsichtsbehörde des Kreises Pinneberg abgestimmt werden.
[...]
Mittlerweile tickt die Uhr. Ursprünglich wollte Vattenfall mit dem Bau des Gaskraftwerkes längst begonnen haben. Doch der Hamburger Volksentscheid 2013, der die Stadt zum Rückkauf der Netze verpflichtete, ließ die Pläne stocken. Das Stromnetz ist im Besitz der Hansestadt, für die Übernahme des Fernwärmenetzes inklusive Heizkraftwerk in Wedel einigten sich der Senat und Vattenfall auf eine Kaufoption. Die kann Hamburg 2019 ziehen - entweder für 950 Millionen Euro mit altem Kraftwerk in Wedel oder für 1,15 Milliarden Euro mit neuem Kraftwerk, das dann aber fertig sein müsste.
[...]
Klar ist, dass belasteter Boden für einen Neubau weg muss. Wer für die Sanierung herangezogen wird und wie sie vonstatten gehen muss, entscheidet die zuständige Aufsichtsbehörde des Kreises Pinneberg nach den weiteren Messungen.
[...]
In Hamburg wird derweil über Alternativen gesprochen. "Ja, wir lassen weitere Standorte prüfen", sagt Dumann (Anm. Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt). Mit einem Ergebnis des Gutachterbüros wird bis Sommer gerechnet.

Kerstin Lueckow
BI

Sonntag, 11. Januar 2015

Nächstes Bi-Treffen Montag, 19.01.15, 20:00, mittendrin

Liebe MitstreiterInnen,
jetzt ist ein Raum gefunden!

Unser nächstes Treffen ist am Montag, den 19. Januar 2015 um 20:00 Uhr im
Stadtteilzentrum "mittendrin", Friedrich-Eggers-Str. 77 in Wedel.

Viele Grüße,
Kerstin Lueckow

Donnerstag, 8. Januar 2015

Gesunde Menschen

Leserbrief zum Artikel aus dem Wedel-Schulauer Tageblatt vom 08. Januar 2015
"Ausblick 2015 der CDU in Wedel" von Hanne Harder aus Hamburg

Mit Verwunderung habe ich den Jahres-Ausblick 2015 der CDU in Wedel gelesen.
Was verleitet Sie zu folgendem Satz "Wenn in Hamburg die Politik zur Abwechslung mal wieder von gesunden Menschenverstand geleitet würde, wäre der Bau eines neuen GuD-Kraftwerks in Wedel kaum mehr umstritten"?

1. In Hamburg gab es im September 2013 einen Volksentscheid zum Rückkauf der Hamburger Energenietze. Mehr als 440.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben mit ihrem Kreuz für den Rückkauf der Netze gestimmt und Vattenfall daher abgewählt. Das Fernwärme-Netz, und dazu gehört auch das Kraftwerk in Wedel, geht am 01.01.2019 zurück an die Stadt Hamburg.
Das verbindliche Ziel des Volksentscheids ist eine Versorgung der Hamburger aus "Erneuerbaren Energien"! Ein Großkraftwerk in Wedel wäre nicht nur fossil, sondern würde für die nächsten Jahrzehnte aufgrund der unnötig hohen Kraftwerksleistung sogar die Versorgung durch "Erneuerbare Energien" komplett verhindern. Auch die CDU in Wedel sollte so viel Demokratieverständnis aufbringen, um den Willen der Hamburger WählerInnen anzuerkennen.

2. Das Ministerium für Wirtschaft und Energien in Berlin hat kürzlich eine Studie zur Wirtschaftlichkeit von Kraftwerksanlagen veröffentlicht. Daraus wörtlich:
"Ein Neubau von öffentlichen (Gas)-KWK-Anlagen für die Fernwärmeversorgung mit einer elektrischen KWK-Anlagenleistung von mehr als 10 MW ist momentan nicht refinanzierbar."
Was versprechen Sie sich von einem Neubau eines Gas-Großkraftwerks, dessen Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist? Wo liegt hier der Vorteil für die Stadt Wedel? Steuereinnahmen können Sie wohl kaum erwarten. Welche Interessen vertreten Sie mit ihrer Aussage?

3. Die Fa. Vattenfall hat sich in den letzten Jahren in meinen Augen als Betreiber des Kohlekraftwerks in Wedel disqualifiziert. Seit dem Jahre 2012 ist der Betrieb des Kraftwerks geprägt durch Ausfälle, klebrigen Ascheregen und einer vorher nie dagewesenen und vor allen Dingen ungesetzlichen Lärmbelastung für die umliegenden Wohngebiete, sowohl tags- als auch nachts. Erst das Einschalten von Anwälten hat zu "rechtlichen Anordnungen" des Landes SH und somit zur zwangsweisen Lärmreduzierung geführt. Die darin enthaltenen rechtlichen Fristen kann Vattenfall dabei laut eigenem Bekunden nicht einhalten. Dies wird sicherlich für den Betrieb des KoKWs nicht folgenlos bleiben. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass eine zusätzliche Großbaustelle bei Umsetzung eines GuD-Baus noch erheblich mehr Lärm verursachen würde. Denken Sie, dass Sie mit ihrer Aussage zum GuD-Bau die berechtigten Interessen der vielen betroffenen AnwohnerInnen in Wedel und Hamburg vertreten?
Hanne Harder

Samstag, 3. Januar 2015

Erneuerbare Fernwärme in Hamburg statt Kohle in Wedel

Prof. i.R. Dr. rer. nat. Dietrich Rabenstein (HCU) hat für die Versorgung der Hamburger mit "erneuerbarer Wärme" folgendes Diskussionspapier erstellt:
Erneuerbare Fernwärme in Hamburg statt Kohle in Wedel
Im September 2013 fand in Hamburg der Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze statt. Der Satz 2 des Volksentscheids gibt als verbindliches Ziel die Energieversorgung aus "erneuerbaren Energien" vor.

Der Originaltext lautet:

„Senat und Bürgerschaft unternehmen fristgerecht alle notwendigen und zulässigen Schritte, um die Hamburger Strom-, Fernwärme- und Gasleitungsnetze 2015 wieder vollständig in die Öffentliche Hand zu übernehmen. Verbindliches Ziel ist eine sozial gerechte, klimaverträgliche und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien.“

Der Hamburger Wärmedialog (ein Zusammenschluss von Energie-Interessengruppen in Hamburg und Wedel) hat in diesen Zusammenhang folgende Leitsätze erstellt:

Leitsätze für eine neue Wärmeversorgung der Freien und Hansestadt Hamburg:
  1. Mit dem Volksentscheid vom 22.09.2013 hat sich eine Mehrheit der Hamburger BürgerInnen für das verbindliche Ziel einer sozial gerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien ausgesprochen.
    Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) ist dadurch aufgefordert, einen entsprechenden Fahrplan für die Umstellung der Fernwärmeversorgung zu entwickeln. Die Aufstellung dieses Fahrplans hat so schnell wie möglich zu erfolgen.
    Eine eventuelle Bedarfslücke durch die Außerbetriebnahme des KoKW in Wedel darf gemäß Volksentscheid ausschließlich mit erneuerbaren Energien geschlossen werden.
  2. Für die sichere Versorgung des Fernwärmenetzes der Vattenfall Wärme Hamburg (VWH) haben die Gesellschafter Vattenfall und Stadt unter Einsatz aller Kapazitäten der vorhandenen (auch mobilen) Wärmeerzeuger zu sorgen.
    Für jede Einsatzstunde von Kohle- und/oder Heizöl befeuerten Kraftwerken soll dabei ein stundengenauer Nachweis der Einsatznotwendigkeit erbracht werden.
  3. Derzeit wird von der Fa. BET im Auftrag der BSU ein Gutachten zu Versorgungsalternativen im westlichen Hamburger Fernwärmenetz zum bestehenden Kohlekraftwerk Wedel erstellt.
  4. Unsere Beteiligung an diesem "Gutachtenprozess Wedel" ist sowohl als Einbringen unseres Fachwissens durch die Teilnahme an Interviews in den Prozess zu verstehen, als auch als Ausdruck des im Volksentscheid, Satz 2, formulierten Willens zur demokratischen Kontrolle. Diese Beteiligung legitimiert jedoch weder BET noch die BSU, das Ergebnis des Gutachtenprozesses als Ableitung aus den Interviews darzustellen und damit als einen Kompromiss oder gar Konsens der teilnehmenden Organisationen zu suggerieren.
  5. Der Betrieb des Kohlekraftwerks Wedel (KoKW) verstößt seit Jahren gegen geltendes Ordnungsrecht. Die Genehmigungsauflagen im Bereich Lärm werden in vielen Bereichen deutlich nicht eingehalten. Zusätzlich klagen Anwohner über gesundheitliche Beschwerden durch Abgase. Wir fordern daher die Aufsichtsbehörde und das Land Schleswig-Holstein auf, die Gesundheit und die Rechte der Schleswig-Holsteiner und Hamburger Anwohner zu schützen.

    Aus oben genanntem Grund ist bereits in der Heizperiode 2014/2015 die Einsatzreihenfolge der Hamburger Wärmeerzeuger entsprechend zu ändern:
    Zuerst sind erneuerbare Energieträger einzusetzen, dann Gas und als letztes Kohle. Das KoKW Wedel dient dabei nur noch als Reserve-Heizwerk für Notfälle.
    Dies führt zu einer sofortigen CO2-Minderung im Sinne des Volksentscheides, wie es der dortige Satz 2 mit seiner Zielvorgabe "klimaverträglich" vorgibt.
    Die Lieferverträge zwischen Vattenfall als alleinigem Betreiber des KoKW Wedel und der Vattenfall Wärme Hamburg (VWH) mit städtischer Beteiligung sind entsprechend anzupassen.

Folgender Artikel auf umweltFairändern befasst sich ebenfalls mit diesen Themen:
Energie – Demokratie: Streit um Hamburgs Klimaschutz und Leitsätze des Hamburger Wärmedialogs

Kerstin Lueckow

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Bitte recht und mäßig

Anwohner reichen Klage gegen Vattenfall-Großkraftwerk in Wedel ein

In den letzten Wochen haben insgesamt 19 betroffene Anwohner aus Wedel und
Hamburg-Rissen eine Anfechtungsklage gegen die Genehmigung des von Vattenfall und der Stadt Hamburg geplanten Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingereicht.

Der Kraftwerksstandort in Wedel ist geprägt durch die umliegenden Wohngebiete. Die beliebten, elbnahen Wohnviertel in Wedel und Rissen weisen teilweise nur einen Abstand von 190 Meter zum geplanten Neubau des Großkraftwerks auf.
Schon das derzeit von Vattenfall betriebene Steinkohlekraftwerk aus den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts ist in den letzten Jahren zum (Lärm-)Problemfall geworden.
Das in die Jahre gekommene Kohlekraftwerk hält vielfältig die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Anwohner vor Lärm nicht ein. Auch im Hinblick auf die starke Belästigung durch das vorhandene Großkraftwerk werden von Betroffenen Rechtsverfahren geführt.

Das geplante GuD soll bei laufendem Betrieb des Kohlekraftwerks auf dessen Kohlehalde errichtet werden. Das jetzt schon vorhandene Lärmproblem durch die Kohlelogistik resp. Schiffsentladungen würde sich dadurch noch verschärfen.
Generell käme der Baulärm der Großbaustelle insbesondere bei lauten Gründungsarbeiten zum jetzigen Lärmpegel noch hinzu. Dabei müssten die selben gesetzlichen Lärmgrenzen eingehalten werden, die jetzt schon teilweise deutlich überschritten werden. Ob dies in der Realität tatsächlich umsetzbar wäre, ist zumindest fraglich. Eine deutliche Bauverzögerung könnte die Folge daraus sein.

Die Kühlung des geplanten GuDs soll über sogenannte Luftkondensatoren erfolgen. D.h. es soll eine große Anlage mit offenen Ventilatoren zwischen den Wohngebieten in Wedel und Rissen errichtet werden. Dabei wurden von Seiten der zuständigen Kieler Behörde (LLUR) die Lärmgrenzen des alten Kohlemeilers genehmigt. Diese werden laut Berechnungen der Fa. Vattenfall auch ausgereizt. Dabei sind gerade Luftkondensatoren anfällig für Lärmzunahme durch Verschmutzung und Verschleiß (drehende Teile). Eine Neuanlage muss die Lärmgrenzen des rechtsgültigen Bebauungsplans in Wedel (reines Wohngebiet) einhalten und darf sich nicht an alten Lärmgrenzen orientieren.

Die Stadt Hamburg hat die Entscheidung zum Bau des GuDs in Wedel auf das Jahr 2015 (nach der Bürgerschaftswahl) vertagt. Der SPD Senat gibt an, eine in Berlin angekündigte Reform des sogenannten KWK-Gesetzes abwarten zu wollen. In den letzten Jahren hat es einen erheblichen Preisverfall an den Strombörsen gegeben, wobei im Winter teilweise sogar negative Strompreise erzielt werden. Insbesondere Gaskraftwerke speisen immer weniger Strom ins deutsche Stromnetz ein oder werden auf Grund von fehlender Wirtschaftlichkeit ganz vom Netz genommen. Die neue KWK Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nimmt dazu wie folgt Stellung:
Zitat:
Ein Neubau von öffentlichen (Gas)-KWK-Anlagen für die Fernwärmeversorgung mit einer elektrischen KWK-Anlagenleistung von mehr als 10 MW ist momentan nicht refinanzierbar.
Eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit, auch über einen zu erzielenden Marktpreis für Strom, muss eine Vorraussetzung zum Bau eines auf mindestens 500 Millionen Euro geschätzten Großkraftwerks sein. Negative Beispiele für Fehlinvestitionen bei Großprojekten gibt es schon zur Genüge.

Des weiteren bleibt die Fa. Vattenfall den Nachweis für den Bedarf zum Bau eines weiteren fossilen Großkraftwerks für die Hansestadt Hamburg schuldig. Die offizielle Begründung ist der Wärmebedarf für den Hamburger Westen. Viele Experten bezweifeln den von Vattenfall angegebenen hohen Bedarf an Wärmeleistung aus Wedel. Zumal im Stadtgebiet von Hamburg in den letzten Jahren weitere Wärme-Anlagen errichtet wurden oder sich derzeit im Bau befinden.

Auf eine diesbezügliche Anfrage an den Hamburger Senat hat der grüne Abgeordnete Jens Kerstan die Antwort erhalten, dass es sich bei den Bedarfszahlen um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Fa. Vattenfall handelt. Dabei sollte der tatsächliche Bedarf die Grundlage jeder vernünftigen Planung darstellen. Es ist äußerst verwunderlich, dass der Stadt Hamburg trotz Beteiligung an den Energienetzen keine grundsätzlichen Zahlen zur Verfügung stehen. Es stellt sich daher die Frage, auf welcher Grundlage die bisherigen Entscheidungen getroffen wurden und noch getroffen werden sollen.

Kerstin Lueckow

Sonntag, 5. Oktober 2014

Krachkohle

Die Fa. Vattenfall hält nachweislich die Genehmigungsauflagen des alten Kohlemeilers in Wedel nicht ein.

Im Februar diesen Jahres wurde eine Lärmmessung der nächtlichen Lärmwerte im Bereich Hellgrund durchgeführt. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Überschreitung der genehmigten Lärmgrenzen. Diese Messung ist erst auf Druck einer Hamburger Anwaltskanzlei im Auftrag eines betroffenen Anwohners veranlasst wurden. Nachhaltige Beschwerden und das Aufzeigen eigener Messprotokolle haben über einen langen Zeitraum bei der zuständigen Behörde in Kiel (LLUR) zu keinen Aktivitäten in Richtung Lärmschutz geführt. Mittlerweile hat die Behörde eine "nachträgliche Anordnung" erteilt. Dies bedeutet, dass die Fa. Vattenfall bis zum 31.12.2014 die Genehmigungsauflagen beim Nachtbetrieb des Kraftwerks wieder einhalten muss. Während der Revisionszeit des Kohlekraftwerks im Sommer wurden einige Maßnahmen zum Lärmschutz durchgeführt. Ob und in welchem Umfang diese Maßnahmen erfolgreich waren, kann erst bei einem Volllastbetrieb des Kraftwerks im Winter beurteilt werden.

Die Überschreitung der genehmigten Lärmgrenzen im Nachtbetrieb ist nicht das einzige (Lärm-)Problem. Seit der Durchführung einer großen Revision im Sommer 2012 klagen einige Nachbarn bis weit in die Rissener Wohngebiete hinein über einen durchdringenden "Brumm- oder Sirrton" in den Häusern. Besonders lästig ist dies in Schlafzimmern, da dieser Ton zu Schlafmangel führt und teilweise einen starken Druck auf den Ohren auslöst. Auch wackeln bei einigen Nachbarn zeitweise nachts die Betten und viele AnwohnerInnen beschweren sich über "Scheibenklirren". Der Grund für diese Phänomene ist eine Übertragung von Körperschall auf die nördliche Fassade der Turbinenhalle des Kohlekraftwerks. Diese muss daher entkoppelt werden. Obwohl das Problem längst bekannt ist, hat die Fa. Vattenfall bei der Revision des Kohlekraftwerks im Juli und August keine technischen Schritte unternommen, um die Übertragung von Körperschall zu verhindern. Vattenfall verweist jetzt auf die Revision im nächsten Sommer, da ein Stillstand der Anlage erforderlich sei. Noch ein weiteres Jahr warten? Das ist für viele nicht hinnehmbar. Ein entsprechendes Rechtsverfahren wurde angestoßen.

Ein weiteres Problem ist der Lärmpegel der Kohlelogistik:
Auf der Kohlehalde in Wedel herrscht viel Betrieb. Die Schichtung und Umschichtung der Kohle erfolgt mit einer sogenannten "Kohleraupe". Da die Ketten dieser Raupen nicht mit Laufpolstern versehen sind, ist das dazugehörige "Knattern" teilweise bis in weit entfernte Wohngebiete zu hören.

Ebenfalls gibt es große Probleme beim Thema Schiffsentladungen:
Die Versorgung des Kohlekraftwerks mit Kohle erfolgt über die Löschung von Kohlefrachtern im Tiefseehafen auf dem Kraftwerksgelände. Dieser Hafen ist nachträglich im Zuge der Errichtung des bestehenden Kraftwerks sehr dicht an die Wohnhäuser heran gebaut worden. Davor erfolgte die Anlieferung der Kohle per Bahn.
Im Laufe der letzten Jahre hat die Lärmbelästigung durch die Kohleentladungen deutlich zugenommen. Der Grund dafür ist u.a. Verschleiß an der Ladebrücke und das häufige Entladen von kleinen Schuten zusätzlich zu den üblichen großen Frachtern. Kleine Schiffe könnten weit entfernt von der Wohnsiedlung Hellgrund entladen werden, da die Kaianlage eine Länge von einigen Hundert Metern aufweist. Die Realität sieht leider häufig anders aus.

Aufgrund von jahrelangen Beschwerden und Presseberichten wurde im Mai 2014 die Lärmmessung einer Schiffsentladung vorgenommen. Diese wurde von der Fa. Vattenfall veranlasst. Ein Vertreter des Konzerns und ein Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde in Kiel waren vor Ort. Obwohl anwesende Nachbarn mehrmals darauf aufmerksam gemacht haben, dass der Lärmpegel der Entladung im Gegensatz zu sonst deutlich reduziert war, wurde diese Messung durchgeführt. Das Ergebnis zeigt eine Überschreitung der genehmigten Lärmgrenzen von 4 dB. Eine gutachterliche Überprüfung von unserer Seite hat eine deutlich höhere Überschreitung der Werte angezeigt. Ein Hauptgrund liegt in der Tatsache, dass bei der Messung des Schiffslärms der Frachter im Abstand von 220 Metern entladen wurde. Die Kaianlage führt allerdings deutlich näher an die Wohnbebauung heran. Auch waren störende Lärmquellen während der Messung abgestellt. Kaum war die Messung beendet, war der Lärm wieder da. Dafür gibt es viele Zeugen.
Der zuständige Mitarbeiter der Kieler Aufsichtsbehörde kann trotz anwaltlicher Einwendung und gutachterlicher Stellungnahme bis heute keine Defizite am Messtermin erkennen.

Dieses Verhalten hat bei den betroffenen AnwohnerInnen zu einem Vertrauensverlust in Messungen durch die Fa. Vattenfall geführt. Der Wedeler Umweltausschuss hat sich am 25.09.2014 auf Antrag der Wedeler Grünen und der SPD mit dem Thema Lärm des Kohlekraftwerks und dem Problem der durchgeführten Messungen beschäftigt. Dazu war ein Vertreter der Kieler Behörde und ein Vertreter der Fa. Vattenfall anwesend. Lothar Barop, SPD-Vorsitzender in Wedel, hat auf der Sitzung folgenden Vorschlag unterbreitet: Die demnächst anstehenden Messungen sollten von einem Gutachter durchgeführt werden, der das Vertrauen der Betroffenen besitzt. Diese sollten "verdeckt" in Absprache mit den Anwohnern erfolgen.

Dieser Forderung kann ich mich nur anschließen, zumal verdeckte Messungen einer guten Ingenieurspraxis entsprechen. Jetzt ist die Fa. Vattenfall am Zug. Eine solche Maßnahme könnte zu einer Entspannung der Lage vor Ort beitragen.
Kerstin Lueckow

Folgende Artikel sind dazu erschienen:

Hamburger Abendblatt (20.09.2014)

Anwohner können einem leidtun

Hamburger Abendblatt (20.09.2014)

Kraftwerkslärm nervt die Wedeler

Wedel-Schulauer Tageblatt (03.05.2014)

Der lärmende Nachbar Vattenfall

Hamburger Abendblatt (18.04.2014)

Anwohner klagen über zunehmenden Lärm durch das alte Kraftwerk