Sonntag, 24. Januar 2016

Dreckschleuder Wedel: Brauchen wir das?

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen über den hohen Schadstoffausstoß von einem der ältesten Kohlekraftwerke in Deutschland hat die Energienetz Hamburg eG diese Frage näher beleuchtet.

Spätestens zur nächsten Heizperiode geht ein neues Gas-Heizwerk am Haferweg in Altona in Betrieb. Dieses moderne Heizwerk könnte vorrangig zum Kohlekraftwerk Wedel betrieben werden. Warum könnte? Das alte, abgeschriebene Kohlekraftwerk Wedel im Ganzjahres-Dauerbetrieb rechnet sich einfach sehr gut für Vattenfall! Aber kann das das einzige Argument sein?

Alle relevanten Netzdaten zum Vattenfall-Fernwärmenetz in Hamburg sowie die Bedarfszahlen sind nicht öffentlich einsehbar. Lediglich die Hamburger Umweltbehörde (BUE) soll demnächst Zugang zu den Daten erhalten. Anhand aller bisher bekannten Faktoren hat die Energienetz Hamburg eG folgende Präsentation erstellt und am letzten Donnerstag mit der Landesarbeitsgruppe der Hamburger Grünen und Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan diskutiert:
Bewertung Einsatzreihenfolge Wedel / Haferweg
Fazit:
1. Das Kohlekraftwerk Wedel emittiert im Vergleich zu anderen Kohlekraftwerken in Deutschland eine prozentual große Menge an gesundheitsschädlichem Quecksilber. Bisher ist das KoKW aber von einer täglichen Überwachung des Quecksilbers in Wedel befreit. Das Ökopol-Institut (neue Quecksilber-Studie) hat dazu im Januar eine Stellungnahme an die Kieler Aufsichtsbehörde (LLUR) verfasst:
Bisher ist eine exakte Messung von Quecksilber in Wedel unmöglich, da nur 1 mal pro Jahr für 90 Min. gemessen wird und die Gesamtmenge ausschließlich auf Berechnungen von Vattenfall basiert, der Stichproben von Vattenfall für Kohle, Asche (Schlacke) und Filterstaub (Flugasche) zugrunde liegen.
Die Pressesprecherin von Vattenfall hat für 2015 wieder sehr hohe Quecksilber-Werte für Wedel bekannt gegeben (15 µg/m3). Wir erwarten vom Kieler Umweltministerium, dass die bisherige Befreiung von der täglichen Messung des Quecksilbers in Wedel aufgehoben wird. Die Überwachung des Kohlekraftwerks muss dauerhaft erfolgen und sofort online publiziert werden!
Nach Berechnungen des Ökopol-Instituts könnte der Quecksilber-Ausstoss in Wedel mit bestmöglichen Filtern auf ca. 4 kg reduziert werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 hat das Kohlekraftwerk 62 kg emittiert.

2. Es ist ohne Weiteres möglich, das Heizwerk Haferweg nach Inbetriebnahme vorrangig zu Wedel zu betreiben, da die Versorgungssicherheit der Hamburger mit Wärme gegeben ist. Eine gute Variante ist, das Kohlekraftwerk nur noch an 300 Stunden pro Jahr zu Spitzenlastzeiten zu betreiben. Eine solche Fahrweise würde eine teure Nachrüstung mit neuen Filteranlagen zur Einhaltung von neuen EU-Richtlinien zum 01.01.2019 unnötig machen (Ausnahmeregelung Quecksilber). Der Schadstoff-Ausstoss in Wedel würde sich alleine durch die geringen Betriebsstunden sehr deutlich reduzieren. Auch müssen die vorliegenden Konzepte zur dezentralen Wärmeversorgung in Hamburg schnellstmöglich umgesetzt werden.

Das Kohlekraftwerk Wedel ist ein Dinosaurier unter Deutschlands Kraftwerken und gehört schnellstmöglich abgeschaltet!

Kerstin Lueckow
Für die BI

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